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Angesichts einer kritischen Marktlage lancieren die europäischen Honigerzeuger und Mitglieder von Copa-Cogeca heute aus Brüssel einen Aufruf an die europäischen Behörden, um eine schnelle und aussagekräftige Reaktion zu erhalten.

Dieser Aufruf geht einher mit einem Aktionsplan, in dem konkrete Maßnahmen vorgeschlagen werden, um den mehr als 650.000 europäischen Imker•inne•n unter die Arme zu greifen. Vor dem Hintergrund eines komplizierten Jahres 2019 ist das Problem nicht zu unterschätzen, da die Bestandsfähigkeit der europäischen Imkereien auf dem Spiel steht, wodurch der Selbstversorgungsgrad bezüglich EU-Honig unumkehrbar gefährdet werden kann.
2019 war ein schwarzes Jahr für den europäischen Bienenzuchtsektor. Infolge des durch schlechte Witterungsbedingungen bedingten Produktionsrückgangs von Honig in den Haupterzeuger- und Exportnationen in Süd- und Osteuropa blieb ein Preisanstieg aus. Diese ungewöhnliche Marktlage kann nicht als Konjunkturproblem abgetan werden. Genauer gesagt haben die europäischen Erzeuger seit 2013 vermehrt mit großen Importmengen zu niedrigen Preisen aus China zu kämpfen (durchschnittliche Preise: 1,24 €/kg 2019), mit denen sie nicht mithalten können. Die durchschnittlichen Produktionskosten in der EU beliefen sich 2018 auf 3,90€/kg. Dieser Preisunterschied ist nur durch das massive Hinzufügen von Zuckersirup zu erklären, der in der Herstellung billiger ist und bei europäischen Grenzkontrollen nur schwer zu enttarnen ist. Zudem unterliegt die Honigerzeugung in China einer anderen Definition und Methodik, die europäischen Normen nicht entspricht.
Etienne Bruneau, Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Honig" von Copa-Cogeca, sagte hierzu: „Wenn sich die Marktsituation nicht verbessert, werden die europäischen Imker, die einen bedeutenden Teil ihres Einkommens aus dieser Tätigkeit beziehen, diese nicht mehr fortführen können. Die Existenz von mehr als 10 Millionen Bienenstöcken in der EU ist somit bedroht. Die Bienenzucht ist allein durch den Bestäubungsdienst, den sie im Zusammenspiel mit den wilden Bestäuberinsekten leistet, für die Landwirtschaft und den Gartenbau der EU sowie die Biodiversität von essenzieller Bedeutung. Diese Situation bedroht daher nicht nur unsere Branche sondern auch andere."
In dieser schwierigen Lage schlägt die Arbeitsgruppe „Honig" von Copa-Cogeca einen wohl durchdachten Aktionsplan vor. U.a. fordert die europäische Organisation, dass die EU sicherstellt, dass sämtlicher aus Drittländern, v.a. aus China, importierter Honig der Honigdefinition der EU entspricht. Neben dieser ersten Forderung soll die Etikettierung des Ursprungslandes auf Honigmischungen umgesetzt werden, was mit der Erklärung der Mehrheit der Mitgliedstaaten anlässlich der Sitzung des Rates für Landwirtschaft und Fischerei am 27. Januar zu diesem Thema einhergeht.
Zur Verstärkung der Kontrollen fordert Copa-Cogeca die Kommission ebenfalls dazu auf, gemeinsam mit den Mitgliedstaaten einen neuen Kontrollplan zu erarbeiten, der auf importierte Chargen von mehr als 20 Tonnen Honig aus Drittländern sowie auf die Schaffung eines europäischen Referenzlabors für Honig abzielt. Dabei soll eng mit der Gemeinsamen Forschungsstelle (JRC) und einer europäischen Marktbeobachtungsstelle für Honig zusammengearbeitet werden. Quelle: Copa Cogeca